Elektrifizierung Lindau-München: Dilletantische Planung durch Deutsche Bahn?

EC München - ZürichZwei Diesellokomotiven der Baureihe 218 (Doppeltraktion) sind mit dem EuroCity 194 (EC-Reisezugwagen der SBB) von München nach Zürich in blühender Frühlingslandschaft bei Stetten (Schwab) unterwegs. Foto: Deutsche Bahn AG/Uwe Miethe

Ich habe heute das folgende Email an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, den Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, Martin Burkert und den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann abgeschickt:

Sehr geehrter Herr Bundesverkehrsminister Dobrindt
Sehr geehrter Herr Staatsminister Herrmann
Sehr geehrter Herr Burkert

Ich habe mir die Arbeit gemacht, sämtliche Verkehrsinvestitionsberichte seit dem Berichtsjahr 2007 hinsichtlich der Elektrifizierung Lindau-München zu studieren (siehe Lindau-München im Spiegel des Verkehrsinvestitionsberichts).

Im Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2007 (der Anfang 2009 veröffentlicht wurde) wurde noch von einem Baubeginn 2010 und von einer Inbetriebnahme 2015 berichtet (siehe S. 172). Damit wäre die Elektrifizierung im Schnellzugtempo vorangegangen. Es wurde davon ausgegangen, dass der Planfeststellungsbeschluss für die ganze Strecke bereits 2010 erfolgt.

Im Bericht für das Berichtsjahr 2008 (der Anfangs 2010 veröffentlicht wurde) wurde von einem Baubeginn je nach Projekt zwischen 2010 und 2013 berichtet (siehe Seite 155). Erstaunlich ist, dass die Bundesregierung diese Aussage tätigte, obwohl nun auf einmal das Datum für alle Planfeststellungsbeschlüsse als offen angegeben wurde. 2010 wurde nachweislich nichts gebaut.

Im Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2009 ist der früheste Baubeginn bereits auf 2013 verschoben. Beim Planungsabschnitt Geltendorf-Buchloe, welcher gemäss vorhergehenden Bericht 2010 gestartet werden sollte, wurde nun erst 2015 mit einem Baubeginn gerechnet.

Im Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2010 ist der Abschnitt Leutkirch-Kisslegg um ganze zwei Jahre nach hinten verschoben worden, von 2013 auf 2015.

Im Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2011 wird der Baubeginn für alle Teilprojekte auf 2017 verschoben. Für drei Teilstrecken um volle drei Jahre!

Es ist nun schon ein riesen Fortschritt, dass im Verkehrsinvestitionsbericht  für das Berichtsjahr 2012, welcher soeben veröffentlicht wurde, keine Verschiebung mehr stattfand. Auch heute, gemäss dem neuesten Verkehrsinvestitionsbericht sind die Termine für die Entwurfsplanung und Planfeststellungsbeschlüsse für alle 7 Planfeststellungsabschnitte der Elektrifizierung offen.

Was hat sich denn in der Zwischenzeit geändert, dass die Deutsche Bahn dieses Vorhaben noch nicht längst verwirklicht hat wie ursprünglich angenommen. Schliesslich stand in allen Berichten, dass die Finanzierungsvereinbarung 2008 und 2009 abgeschlossen waren. Weshalb nur blieb die Deutsche Bahn all diese Jahre untätig? Weshalb wurde im Planungsprozess nicht vorwärts gemacht? Wer war bzw. ist für diesen Planungsschlendrian verantwortlich?

Ich werde einfach den Eindruck nicht los, dass die Deutsche Bahn und die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag über die letzten sechs Jahre auf der Nase herumgetanzt haben. Bitte um Abklärung. Dieses Email geht in cc auch an einige Lokalpolitiker MdL und Bürgermeister entlang der Bahnstrecke.

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.

Social Media:
Finde uns auf Twitter

unsere Facebookseite

unsere Youtube-Videosammlung
Achiv: