Kommentar: Holt Grube Pofalla zur Bahn um vom miserablen Leistungsausweis abzulenken?

Pofalla Quelle BundeskanzleramtRüdiger GrubeBilder: Links Ronld Pofalla, Quelle: Bundeskanzleramt. Rechts: Bahn-Konzernchef Rüdiger Grube, Quelle: Deutsche Bahn

Gross ist die Empörung über ex-Kanzleramtschef Ronald Pofallas geplanten Wechsel als Lobbyist zum Konzern Deutsche Bahn. Allerdings ist die Causa Pofalla auch eine Causa des Bahnchefs Rüdiger Grube. Weshalb bietet ein Konzern im Staatsbesitz mit bereits besten Beziehungen zur Politik Hand zu solch einem Deal? Bei seinem Amtsantritt 2009 räumte Rüdige  r Grube mit der Datenaffäre auf, dabei musste auch der bisherige Lobbyist Otto Wiesheu, ex-Verkehrsminister von Bayern, aus dem Amt ausscheiden. Braucht Grube Pofalla nun, um vom miserablen Leistungsausweis des Konzerns Deutsche Bahn abzulenken? Die folgende Liste ist nur eine Auswahl des Versagens der Deutschen Bahn in den letzten Jahren.

  1. In verschiedenen Agglomerationen versagt die Deutsche Bahn als Betreiberin von S-Bahnsystemen: 2010 war die S-Bahn Berlin weitgehend stillgelegt und deren gesamtes Management musste zurücktreten. Die Münchner S-Bahn wird ebenfalls von einer Pannenserie heimgesucht, deren Qualitäts- und Kapazitätsprobleme waren im November 2013 nicht zum ersten Mal Thema im Bayerischen Landtag. Münchens S-Bahn-Chef Weisser musste einräumen, dass der Pünktlichkeitswert der S-Bahn im November einen Tiefstwert erreicht hat. Unter ähnlichen Problemen leiden die Stuttgarter S-Bahn-Pendler.
  2. Beim Fugger Express zwischen Augsburg und München rügt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) im Sommer 2013, dass die Zustände (Platzmangel und Verspätungen) unhaltbar sind. Der Start der neuen Werdenfelsbahn im Dezember (München-Garmisch-Mittenwald und München-Kochel) ging gründlich in die Hose, die BEG bezeichnete die Zustände als unakzeptabel.
  3. Wegen der Fehlplanung beim Stellwerkpersonal konnte der Bahnhof Mainz im Sommer 2013 bekanntlich mehrere Wochen lang nur noch mit einem Notfahrplan angefahren werden.
  4. Auch die Bahn-Tochter DB Netze hat sich sagenhaft blamiert. Im März 2013 wurde bekannt, dass es die Bahn nicht geschafft hat, 500 Millionen vom Bund zur Verfügung gestellte Euro zum Neu- und Ausbau von Bahnstrecken rechtzeitig zu verbauen.
  5. Im Oktober 2011 behauptete DB Netze noch felsenfest, beim Streckenausbau Lindau-München verlaufe alles nach Plan, und die elektrifizierte Strecke könnte 2017 in Betrieb gehen. Nur ein Jahr später musste sie eingestehen, dass eine Fertigstellung frühestens 2020 möglich sei, und die Kosten um über 100 Millionen Euro höher lägen als bisher angenommen. Damit brüskierte die Deutsche Bahn die den Streckenausbau mitfinanzierende Schweiz, denn sie hat den Ausbau auf ihrem Teil der Strecke Zürich-München bereits grösstenteils abgeschlossen.
  6. Nachdem die Bahn im Oktober 2013 noch voller Stolz erklärte, der Ausbau der Bahnstrecke Erzingen-Schaffhausen (an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz) sei planmässig abgeschlossen, musste sie einen Monat später zugeben, dass sie beim Bau gemurkst hat: „Bahn-Betrieb am Hochrhein und im Klettgau: Betriebsqualität für DB und Bahnkunden unbefriedigend“.

Eine Entschuldigung für das Versagen der Deutschen Bahn gegenüber Pendlern und Reisenden findet man in den Presseerklärungen der Bahn selten. In jedem anderen Unternehmen hätten solche Pannen wohl zur Auswechslung des CEOs und schliesslich zur Pleite geführt. Das Monopolunternehmen Deutsche Bahn verdient jedoch trotz ihren Pannen mit den Trassengebühren Milliardengewinne und Herr Grube wird deshalb wohl weiter fest im Sattel sitzen.

Ausser die Politiker klopfen ihm auf die Finger und rütteln am System der Trassenentgelte. So bemängelt die BEG, dass „…heute bereits über 60 Prozent aller Gelder, die zur Bezuschussung des Regionalverkehrs in Bayern zur Verfügung stehen, [für Infrastrukturgebühren] an die DB AG“ verlorengehen. Es ist zu befürchten, dass Profalla als Lobbyist beim Bahnkonzern dafür sorgen wird, dass diese unsinnigen Infrastrukturgebühren von Regierung und Politik nicht angetastet werden, der Bahnkonzern also trotz Versagen weiterhin mit hohen Gewinnzahlen glänzen kann.

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