Autofahrten durch München: „Jetzt ist da wieder gesperrt“

Manche Autofahrten durch München können amüsant sein.. Immer wieder bringen einen Freunde zu einer U- Bahn- Station oder den Hauptbahnhof, denn mit dem Auto geht das ja schneller! Sagen sie, die Münchner.

Nur wird in der Landeshauptstadt derzeit viel gebaut, Baustellen- bedingte Einbahnstraßen und so weiter fordern die Autofahrer  mit den teuren, deutschen Pkws heraus. „Jetzt ist da wieder gesperrt“ – nein einspurig. „Überall diese Baustellen!“. Ja, das stimmt. Diese Baustellen…

Man sitzt als Landei daneben und sagt nur: „Ja mei- das wird in den nächsten Jahren nicht besser“.

„Weil die Infrastruktur hier zu Lande über 20 Jahre völlig vernachlässigt wurde“. Ja- das leuchtet selbst den Münchnern ein. „Außerdem ist alles unterfinanziert…“. Ja- das leuchtet auch ein. Wir stehen mal wieder im Stau und zu Fuß wäre ich schneller gewesen, aber darüber wollen wir gar nicht sprechen.

Die gut situierten Münchner sehen ihr Auto in dieser rot- grünen Stadt immer noch als DAS Statussymbol, mit dem man schnell vorankommt, wenn nur diese Baustellen nicht wären.

Baustellen? „Eigentlich ist das alles reine Flickschusterei“, denke ich mir und sitze ungeduldig daneben, weil ich lieber in der U- Bahn säße, als hier in einem Auto, im Stau. Aber der Münchner an sich betrachtet es als einfacher, wenn sie mich direkt zum nächsten Bahnhof fahren…

„Die Pkw- Maut für Ausländer soll kommen, dann ist auch mehr Geld für unsere Straßen übrig“, so der O- Ton, vom Autofahrer, dessen Nummernschild schon einen Teil des Namens und Geburtsdatums verrät.  Es ist natürlich ein deutsches Fabrikat und überhaupt ist ein Auto das Wichtigste, um sich fortbewegen zu können.

Ja sie sagen viel und stehen mit dem Vehikel trotzdem mehr, als sie fahren. Sie hoffen wieder auf Straßen, wie früher, als alles einwandfrei lief. Nur wie soll das gehen? Wer 20 Jahre seine Straßen vernachlässigt, kann sie nicht in kurzer Zeit wiederherstellen, denke ich mir..

 

Ein ähnliches Bild ergibt sich täglich in der U- Bahn. Überall sieht man Kalk durch die Wände dringen, Wasser dringt ein. Die Bahnhöfe kommen in die Jahre, die Verkleidung wird herunter gerissen, ob unten am Bahnsteig oder an den Rolltreppen. Irgendwann muss das saniert werden…

Kenner der Szene sagen, nach 60 Jahren sind gründliche Instandhaltungen notwendig, der Beton im Tunnel schmälert sich Jahr für Jahr. Die Zeichen der Zeit nagen an Münchens Beton-Tunnel, gebaut für die Olympiade im Jahre 1972.

Während in Berlin schon um 1900 U- Bahnen fuhren, war in München lange die Tram- Bahn das öffentliche Verkehrsmittel schlechthin, in der Weltstadt mit Herz. Dann kam die Untergrund- Bahn, dort bröckelt jetzt der Putz von den Wänden, die Verkleidungen werden abgerissen, über 40 Jahre sind seit Olympia 1972 vergangen und die boomende Stadt scheint eine einzige, sanierungsbedürftige Wüste. Das Herz des bayerischen Paradieses.

 

Boom- Town München ist eine Stadt, in der es zur Jahrhundertwende um 1900 so viele Pkws gab, wie man an zwei Händen hätte abzählen können. Heute sucht man vergebens einen Parkplatz, egal wo, eigentlich überall.

Für die Stadt, nahe an den Alpen, ist selbst das Fahrrad nicht immer eine Alternative. Während im östlichen Oberbayern beim Wintereinbruch die Straßen trocken waren, begrüßte einen in München ein Spiegelglatter Bürgersteig, nebst Fahrradweg. Nein, wir haben in Deutschland vier bis fünf Monate Winter, da ist das Fahrrad nicht mehr als ein Roller. Geeignet für eine Jahreshälfte aber nicht für das ganze Jahr.

Die Münchner Freunde in ihren großen Pkws sind dann doch irgendwann froh, wenn sie einen zumindest in der Nähe eines Bahnhofes absetzen können. Wie immer eilt es, im Auto haben wir viel Zeit verloren. Fast zuviel, zu Fuß oder mit der U- Bahn wäre ich schneller gewesen, aber mir wurde einmal mehr klar: Die Leute begreifen nicht, dass das Motto „freie Fahrt für freie Bürger“ auf gut ausgebauten und gepflegten Straßen für immer vorbei sein wird…

Gerade da, wo man es nicht erwartet: Mit in der bayerischen Boom- City- München! Dem Herzen des bayerischen Paradieses..

1 Kommentar zu „Autofahrten durch München: „Jetzt ist da wieder gesperrt““

  • Plonk:

    Ich sag’s mal so: wenn mal alle Autos, die von Landeiern gesteuert werden, außerhalb der Stadtgrenzen blieben, wären die Hälfte der Münchner Verkehrsprobleme schonmal gelöst. Aber Provinzler wissen halt immer alles besser und fahren natürlich wenn überhaupt nur Kleinwagen.

    Wieviel Wahrheit in dem Text da oben ist, sieht man sofort, wenn man sich mal die Kennzeichen anschaut: STA EBE ERD FFB DAH MÜ LA LL usw. – bitte verschont uns! Nun ja: je größer die Autodicht, umso stärker die Vorurteile. Hauptsache Eigenheim mit Gärtchen und Arbeitsplatz in München.

Social Media:
Finde uns auf Twitter

unsere Facebookseite

unsere Youtube-Videosammlung
Achiv: