S-Bahn München: Fehlplanung nicht nur auf der Linie A, sondern auf der ganzen Linie

In der Presseerklärung der Deutschen Bahn „Attraktives Fahrplankonzept für S-Bahnlinie A Dachau – Altomünster ab Dezember 2014“ vom 8.3.2013 wird der neue Fahrplan ab Dezember 2014 in den rosigsten Farben gemalt. 

Richtig ist jedoch: Seit Jahren wird den Pendlern versprochen, dass mit der Elektrifizierung der Strecke Dachau-Altomünster S-Bahn Züge des Typs ET423 eingesetzt würden, und diese auf die S2 durchgebunden würden. Somit ergäbe sich ganztägig eine stündliche umsteigefreie Verbindung, und in den Hauptverkehrszeiten halbstündlich in die S-Bahn-Stammstrecke. Nun soll stattdessen in den Hauptverkehrszeiten nur jeweils stündlich eine Direktverbindung in die Stammstrecke angeboten werden, die zusätzliche halbstündliche Verbindung soll mit dem S-Bahn-Vorlaufmodell ET420 erfolgen, das nicht durch die Stammstrecke verkehren kann. Die PR-Abteilung der DB lässt sich nicht einmal darüber aus, ob diese halbstündlichen Züge ab Dachau weiter ohne Halt bis Hauptbahnhof verkehren oder sogar in Dachau enden werden. Können sich die Pendler, wie von Chef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) Fritz Czeschka gefordert, über diesen Angebotsausbau wirklich freuen, wenn er deutlich hinter den früher gemachten Versprechungen zurückfällt? 

S-Bahnchef Bernhard Weisser bedauert zwar, dass keine ET423 mehr gebaut werden, und somit nur dieses angeblich vorläufige Fahrplankonzept angeboten werden kann. Allerdings war seit Jahren klar, dass bei der Einweihung der elektrifizierten Linie A (die eigentlich seit 2012 in Betrieb sein sollte) zusätzliche Triebwagen benötigt würden. Auch das Argument der angeblich knappen Finanzmittel ist hier völlig fehl am Platze. Zwar rühmt sich Czeschka, dass die BEG den Nahverkehr in Bayern plant, aber offensichtlich hat er die absehbare Angebotsausweitung auf der Linie A in seinem Budget nicht berücksichtigt!

In Münchner S-Bahnnetz werden nicht erst ab Dezember 2014 Triebwagen fehlen, über zu wenigen S-Bahnzüge klagt man seit mindestens 2010 (Einweihung der Station Hirschgarten). Seither ist jedoch nichts passiert. 2019 wird voraussichtlich der Erdinger Ringschluss und die Verlängerung der S7 nach Geretsried eingeweiht, was nochmals zusätzliche Triebwagen erfordert. Und wenn 2020 wie angekündigt der Zweite S-Bahntunnel fertig wird, werden mindestens 15 weitere S-Bahntriebwagen benötigt. Derzeit weigert sich die S-Bahn, eine gemischte Flotte einzusetzen. Im schlimmsten Fall müssten also alle gegenwärtig 238 ET423 und die zusätzlich für die Zweite Stammstrecke, Dachau-Altomünster, Wolfratshausen-Geretsried und Erdinger Ringschluss benötigten Fahrzeuge durch ein neues Modell ersetzt werden. Für die Auslieferung so vieler Fahrzeuge braucht die Bahnfahrzeugindustrie Zeit. Für S-Bahnchef Weisser und BEG-Chef Czeschka wäre es daher höchste Eisenbahn, neue Triebwagen zu bestellen und zwar unabhängig davon, dass 2017 das München S-Bahnsystem neu ausgeschrieben wird. 

Übrigens war die Beseitigung des Triebwagenmangels auch eine zentrale Forderung an Wirtschaftsminister Zeil im 13-Punkte-Sofortprogramm der Staatsregierung, welches im Mai letzten Jahres verabschiedet wurde. Geschehen ist allerdings bisher nichts! Hättet das Wirtschaftsministerium und die ihr unterstellte BEG in der Vergangenheit richtig geplant, wäre das Triebwagendesaster gar nie zum Problem geworden. 

Insofern greift das Engagement von MdL Bernhard Seidenath und MdB Gerda Hasselfeldt bezüglich der Strecke nach Altomünster viel zu kurz. Es ist zu befürchten, dass gemäss dem Sankt Floriansprinzip die für die Linie A benötigten S-Bahnzüge ET423 von anderen Linien abgezogen werden. Die Landtagsabgeordneten müssten dringend von Wirtschaftsminister Zeil die Umsetzung des von der Staatsregierung selbst gefassten Beschlusses verlangen, den Triebwagenmangel endlich anzugehen. Von Managern (Weisser, Czeschka) darf man erwarten, dass sie nicht nur die Probleme ansprechen, sondern diese in einer vorausschauenden Planung auch lösen. Ansonsten dürfte das von Deutsche Bahn als nur vorläufig angekündigte Fahrplankonzept zwischen Dachau und Altomünster ein endgültiges werden, und die Inbetriebnahme von neuen Strecken am Fahrzeugmangel scheitern bzw. über kürzere Züge zu noch mehr Chaos auf den schon heute überlasteten Linien führen. 

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