Zahlen die Münchner für den U-Bahnstrom zu viel?

Jeden Spätherbst dasselbe Spielchen: die Fahrpreise im MVV steigen und
steigen – und dies meist kräftiger als die allgemeinen
Lebenshaltungskosten.

Ebenso sicher ist, dass DB, MVG und Co. immer auf die gestiegenen
Stromkosten für ihre Bahnen als angebliche Fahrpreistreiber hinweisen.
Das klingt plausibel – ist es aber nicht: CSU-Stadtrat Georg
Kronawitter fragt sich nämlich, wieso die MVG als Stromgroßverbraucher
nicht von den seit Jahren fallenden Strompreisen profitiert. Der
„schwarze Schorsch“ kann sich dabei ausgerechnet auf eine Studie der
Bundes-GRÜNEN stützen, die im August 2012 Aufsehen erregte.

Zusammen mit seinem Kollegen Richard Quaas hatte er beantragt, dass
das städtische Revisionsamt prüfen soll, ob die MVG wirklich im
Interesse der Fahrgäste den Strom für U-Bahnen und Trams so günstig
wie möglich einkauft.

Bislang bewahrt die MVG eisernes Stillschweigen, zu welchen
Konditionen sie bei ihrer Muttergesellschaft SWM den Strom bezieht.

Umso offener legte Stadtrat Kronawitter die von ihm ermittelten Zahlen
vor und verblüffte damit viele Kollegen: demnach stiegen die
jährlichen Stromkosten von 1996 bis 2012 von 18,5 Mio. Euro auf über
80 Mio Euro. Eine Steigerung um über 450% erschien nicht nur dem
Ingenieur aus Trudering erklärungsbedürftig.

MVG-Chef Herbert König (SPD) konnte Kronawitters Zahlenwerk aus dem
Stande heraus nicht entkräften und wies in seiner Antwort lediglich darauf
hin, dass sich die MVG der Preisproblematik seit Jahren bewusst sei
und schon aus eigenem Interesse heraus an einem günstigen Stromeinkauf
interessiert sei. Allerdings kaufe man nach wie vor ohne Ausschreibung
bei der eigenen Mutter. Aufhorchen ließ seine Äusserung, dass der
Stromkostenanteil an den Fahrkosten „seit Jahren rückläufig“ sei.
Kronawitter: „Dann soll Herbert König auch nicht bei jeder
Preiserhöhung Nebelkerzen werfen.“

König kündigte an, die CSU-Initiative nochmals zum Anlass zu nehmen,
die Einkaufspreise für U-Bahnstrom zu optimieren.

Die Rotgrüne Rathauskoalition gab sich damit zufrieden und
verhinderte, dass die städtischen Rechnungsprüfer einen kritischen
Blick in die MVG-Bücher werfen.

Stadtrat Kronawitter: „Gerade von den Rathaus-Grünen hätte ich etwas
mehr Unterstützung in dieser Frage erwartet. So bleibt das schale
Gefühl, dass Münchens Bürger mehr für das MVV-Ticket zahlen müssen,
als – vielleicht – notwendig.“

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.

Social Media:
Finde uns auf Twitter

unsere Facebookseite

unsere Youtube-Videosammlung
Achiv: