Bundesverkehrswegeplan 2015 (BVWP 2015) Maßnahmenvorschläge für den Freistaat Bayern

„Sehr geehrte politische Mandatsträger,

bezugnehmend auf die Internetseite  http://www.stmwivt.bayern.de/verkehr/bundesverkehrswegeplan/ des Bayerische Wirtschafts- und Verkehrsministeriums haben Stefan Baumgartner und ich unsere Vorschläge für zusätzlich neu anzumeldende Schienenverkehrsprojekte zum BVWP 2015 rechtzeitig zum 18.01.2013 beim Bayerischen Witschafts- und Verkehrsministerium eingereicht, sofern sie das Bundesland Bayern und den Schienenpersonenfernverkehr oder den Güterverkehr betreffen.

Bei der Aufstellung der anzumeldenen Massnahmen wurden insbesondere eisenbahnbetriebliche Aspekte berücksichtigt um steuerbare Risiken bei Betriebsstörungen zu vermeiden. Des Weiteren wurde die politische Wille unterstellt, den Integralen Taktfahrplan (ITF) Deutschland zu realisieren. Aufgrund der Abhängigkeiten zwschen den Fahrzeugen, dem Zugangebot und der Infrastruktur (Planungsdreieck) wurden in unserer Planung als Vorgabe insbesondere die ITF-Vollknoten in München Hbf, Augsburg Hbf, Stuttgart Hbf, Nürnberg Hbf, Würzburg Hbf, Regensburg Hbf und Salzburg Hbf unterstellt um die Effizienzgewinne bei der Produktion auch an die Fläche durch schlanke Anschlüsse weiterzugeben, damit ein attraktives zukunftsorientiertes Verkehrsangebot auch den Fahrgästen, die in ländlichen Gebieten wohnen, zur Verfügung steht.

Die politische Zielvorgabe, die Eisenbahninfrastruktur in Abhängigkeit vom künftig zu fahrenenden Integralen Taktfahrplan zu bauen, wird seit Jahrzehnten in der Schweiz erfolgreich praktiziert. Pro Einwohner ist die Verkehrsleistung auf der Schiene mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Die Autoren empfehlen der Politik die Vorgehensweise der Schweiz für Deutschland zu übernehmen. In folgender Studie ist mit den vorgeschlagenen Massnahmen die Aufwärtskompatibilität des ITF Bayern zum ITF Deutschland bereits berücksichtigt.

Insbesondere ist es gelungen durch Synergieeffekte mit der von den Autoren vorgeschlagenen ICE Neubaustrecke Würzburg – Nürnberg eine Reduzierung der Kantenzeit der NBS Erfurt – Nürnberg auf 60 Minuten die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass neben Nürnberg Hbf nunmehr auch in Erfurt Hbf ein ITF-Vollknoten eingerichtet werden kann.

Im Hinblick auf einen voraussichtlichen künftigen inflationsbereinigten Benzinpreis von ca. 3,50 ? / Liter im Jahr 2022 ist eine Verdoppelung der Fahrgäste im bayerischen Eisenbahnverkehr bis 2035 eher als zurückhaltende Prognose anzusehen, zumal sich zwischen 1995 und 2011 die Zahl der Fahrgäste bereits um 68% erhöht hat. Da bis 2035 eine weitere Verdopplung der Fahrgäste auf der Schiene erwartet wird, werden im Jahr 2035 im Vergleich zu 1995 vsl. ca. 3,4 Mal so viele Personenkilometer auf der Schiene in Bayern zurückgelegt werden.

Die Laufzeit dieses Massnahmenkatalogs läuft bis Dezember 2035. Dieser Massnahmenkatalog ist Voraussetzung dafür, die Zahl der Fahrgäste zu verdoppeln, durch eine weitergehende eisenbahnbetriebliche Trennung vom Fernverkehr die jährlichen Zugkilometerbestellungen durch die BEG auf 150 Millionen Zugkilometer erhöhen zu können und durch Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene die Straße signifikant zu entlasten. Da mit einer Erhöhung von aktuell 116 Millionen Zugkilometer auf 150 Millionen Zugkilometer in Bayern jährlich im SPNV alleine eine Verdoppelung der Fahrgastanzahl nicht aufgefangen werden kann, müssen zudem künftig deutlich längere Zugeinheiten zum Einsatz kommen um die Verkehrsnachfrage befriedigen zu können. Die infrastrukturellen Anforderungen mit 330 Meter langen Regionalzügen und 420 Meter langen Fernzügen wurden von uns bereits berücksichtigt.

Mit einer Erhöhung der Investitionsmittel für die Schiene auf 110 ? pro Einwohner und Jahr (Österreich 230 ?, Schweiz 308 ?, vgl. Allianz pro Schiene 2011 bezüglich 2010) lassen sich sämtliche Massnahmen zuzüglich sämtlicher Nahverkehrsprojekte bis 2035 vollständig realisieren.

Im Hinblick auf die Verantwortung unserer Gesellschaft für eine ressourcensparende Mobilität und einem Umstieg auf Elektromobilität sei angemerkt, dass von den vier Verkehrsmitteln Schiff, Flugzeug, Auto/LKW und Eisenbahn die Eisenbahn das einzige Verkehrsmittel ist, bei dem uneingeschränkte Elektromobilität nicht nur technisch leicht umzusetzen ist, sondern uns darüberhinaus bereits jahrzehntelang in ausgereifter Technik zur Verfügung steht und zum Einsatz kommt. Bei der Elektromobilität ist die Rückgewinnung von elektrischer Energie bei Bremsvorgängen und Einsatz der Drehstromtechnologie schon jahrelang absolut selbstverständlich.

Elektrisch betriebene Schiffe existieren nur in Nischenanwendungen, elektrisch betriebene Flugzeuge allenfalls in vagen Ideenskzizzen fernab jeglicher Vorentwurfsplanung geschweige denn Serienreife. Nach derzeitigem Erkenntnisstand werden uns elektrisch betriebene Flugzeuge, die mit Laserenerge vom Erdbden aus versorgt werden, wenn überhaupt erst weit nach dem Jahr 2050 zur Verfügung stehen. Auch die Umstellung des Straßenvekehrs auf Elektromobilität verläuft extrem langsam; auch hier sind längst noch nicht alle Probleme (Reichweite, Energiezuführungsnetz, Finanzierung) gelöst.

Eine verantwortungsvolle Verkehrspolitk, die es mit dem Umstieg auf Elektromobilität ernst meint, wird durch einen qualifizierten Ausbau der Schiene die Voraussetzungen dafür schaffen, dass deutliche Marktanteile von der Straße auf die Schiene verschoben und damit beide Verkehrsträger deutlich effizienter genutzt werden.

Ein sehr gut ausgebautes Schienennetz mit einem attraktiven Zugangebot im SPNV und SPFV ist des Weiteren ein fundierter Beitrag zu einer aktiven Sozialpolitik des Staates, da aufgrund von Überalterung ein immer größerer Teil der Bevölkerung nicht mehr Autofahren kann.

Die von uns zusätzlich vogeschlagenen möglichst autobahnbündigen ICE-Neubaustrecken Würzburg – Nürnberg, Umfahrung Ingolstadt und Ulm Nord – Augsburg (mit Ein-/Ausfädelungen für InterCity-Züge mit Halt in Ulm Hbf und Günzburg) entlasten spürbar die Bestandsstrecken und ermöglichen damit eine größere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene sowie die Einführung/Verdichtung von S-Bahnen und Regio-S-Bahnen entlang dieser Streckenabschnitte.

Dieses ausgewogene Gesamtkonzept kommt dem SPFV, dem SPNV inkl. S-Bahnen und dem Güterverkehr Hand in Hand zu Gute.

Im Dateianhang finden Sie sämtliche von uns vorgeschlagenen Massnamen für Bayern, deren Umsetzung bis 2035 die Voraussetzung dafür ist, Bayern infrastrukturmässig mit zeitgemässen Schienenwegen auszustatten, um weiteres Wirtschaftswachstum zu generieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Stefan Baumgartner
Thomas Kantke“

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