Während die politischen Gockel sich brüsten: Bahnprojekte in Südbayern- Milliarden, verzweifelt gesucht

stammstrecke-grabaus dem Bahnblog- Mühldorf:

Wenn heute am CSU- Parteitag in München die Delegierten sich bei langweiligen Reden in die Zeitungen vergraben, werden sie im Bayernteil der Süddeutschen Zeitung wieder einen dieser Artikel über die verpfuschte Verkehrspolitik finden.

Eigentlich eine Watschn für eine Partei und deren Delegierte, vom eigenen finanziellen Versagen und dem des Bundesverkehrsministers lesen zu müssen.

„Man dürfe Projekte nicht gegeneinander aufrechnen. ‘Ich kann den Münchnern schwer erklären, jetzt nehme ich alles Geld und baue die Strecke Nürnberg – Erfurt fertig. Oder den Burghausern, wir lassen den Ausbau von München über Mühldorf nach Freilassing bleiben und machen dafür die zweite Stammstrecke.’“

 

Heißt es da, lapidar. Zitiert wird der Landestagsabgeordnete Eberhard Rotter aus dem Allgäu.
Weiter geht es hingegen mit Anton Hofreiter von den Grünen, der die Sache ziemlich auf den Punkt bringt und damit den Finger in die Wunde vieler CSU- Abgeordneter legt:

„Die Regierung traue sich nicht, Prioritäten zu setzen, und fange deshalb überall ein bisschen an. Denn Priorität hieße, zu dem einen zu sagen, du bekommst etwas, und zum anderen, du nicht oder erst später. ‘Man will überall alles versprechen.’“

Ja, das kennen wir.

Dann umschreibt die Süddeutsche in einem Absatz mit wenigen Sätzen das gesamte Dilemma. Erstaunlich, wie sich die Journalisten mittlerweile so in die Projekte eingearbeitet haben, statt politischen Floskeln wird knallhart die Realität formuliert (Schulterklopfer an uns alle und vor allem die fleißigen Mitstreiter- das ist unter anderem unser Verdienst!):

„In Bayern stauen sich die Großprojekte der Deutschen Bahn. Die ICE-Strecke von Nürnberg nach Erfurt: Sie kommt im Bummeltempo voran. Der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung München-Mühldorf-Freilassing, immerhin Abschnitt der europäischen Magistrale Paris – Budapest und Lebensader des bayerischen Chemiedreiecks: Er kommt über Absichtserklärungen und Flickschustereien seit Jahrzehnten nicht hinaus. Die Ertüchtigung der Verbindung von Augsburg und Ulm: Man spricht darüber. Seit diesem Sommer ganz am Anfang aller Planungen: zwei neue Gleise zwischen München und dem Grenzort Kiefersfelden als Teil des nördlichen Zulaufs für den geplanten Brennerbasistunnel. Die zweite S-Bahn-Röhre in München: viel Zuversicht, nun doch mit Taschenspielertricks die Finanzierung hinzubekommen. Rechnet man alles zusammen, ist die Zehn-Milliarden-Marke nicht mehr fern.“

Wie wahr. Darüber haben wir schon vor drei Jahren berichtet.
Dumm nur, dass nun gerade an einem Wochenende, an dem Bayern Stärke zeigen will, sich die Gockel des Fünf- Sterne- Landes brüsten und als besonders toll darstellen,
dass gerade an so einem Tag in einer führenden deutschen Zeitung aufgezeigt wird: Es ist nicht alles gold was glänzt, in Bayern!

Die Süddeutsche zum Abschluss mit einem Zitat von FDP-Verkehrsminister Zeil:

„’Wir brauchen hier so schnell wie möglich Klarheit.’“

WOW. Nur wo? Hier? Überall? Bei jedem Projekt?
Gut, dass das Blatt nachlegt:

„Solche Worte kennen auch die großen Chemiefirmen Wacker und OMV im oberbayerischen Chemiedreieck. Seit 30 Jahren warten sie auf ein zweites Gleis und die Elektrifizierung, die Schiene ist für sie elementar wichtig für den Gütertransport. Auch die Pendler auf der Strecke nach München sind Ankündigungen und Beteuerungen gewohnt. Allein das Vertrauen fehlt.“

Dabei ist anfänglichem Vertrauen längst Skepsis gegenüber jeglichen politischen Aussagen gewichen.

Skepsis die besagt: Die Politiker könnten die Menschen überall ähnlich für dumm verkaufen- bei vielen weiteren Themen, wie eben in Sachen Bahnausbau.

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