Vollausbau der Sendlinger Spange: 10 verlorene Jahre

Alfred Nagel vom Bezirksausschuss Sendling-Westpark liess uns die folgenden Informationen zukommen:

Sondersitzung des Bezirksausschuss Sendling-Westpark (BA7) am 24.7.2000: Ein Referent des Planungsreferats führte zum Thema öffentlicher Verkehr u.a. aus: … Er gibt den Ausbau der U-Bahnlinie U5  nach Pasing bekannt und erklärt die „Sendlinger Spange“ für die S-Bahnlinie S20. Diese könnte ab ca. 2004 die jetzige S27 ablösen und dann im 20-Min-Takt ganztägig verkehren.

Sitzung des BA7 am 06.04.2004 zum „Ausbau des Haltepunkts Heimeranplatz –  Planfeststellungsverfahren sowie  Plangenehmigung: Der Ausbau der S-Bahn-Station Heimeranplatz stand im Zusammenhang mit dem „Vollausbau der Sendlinger Spange“. Der BA7 befürwortete die beiden  Planungen einstimmig und führte sogar noch an: „.. die Bürgerinnen und Bürger und die dort ansässigen Firmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Josef-Rank-Weg als Zugang zum S-Bahnhaltepunkt nutzen, rechtzeitig über die Sperrung im Jahre 2005 zu informieren“. So eilig war damals das Vorhaben.

 Behandlung des Verkehrsentwicklungsplans (Stand 8/2004) am 12.10.2004: Das Thema „Sendlinger Spange“ taucht wieder auf und wird unter dem Titel „S-Bahn-Ertüchtigung 2005“ erneut mit folgender Aussage im BA7 und ähnlich im BA19 behandelt: Die Sendlinger Spange wird ohne Verzug realisiert, die Hürden im Flächennutzungsplan und im Bebauungsplan (Stellungnahme Planungsreferat) werden schnellstmöglich ausgeräumt. Beim Beschluss zum Bebauungsplan des neuen ADAC-Hochhauses am 8.11.2006 wird auch die Sendlinger Spange wieder aufgeführt. Ziel des Einspruches/der Stellungnahme der DB Services Immobilien GmbH  ist, die entsprechenden Flächen für den „Umbau Heimeranplatz West“ beim Neubau freizuhalten, was auch geschehen ist.

Ähnliches ist auch in der Süddeutschen Zeitung Online vom 7.3.2001 zu lesen: „Noch offen ist, wie rasch die [Sendlinger Spange] erweitert wird. Im rund 20 Millionen Mark teuren Endausbau wäre ein 20-Minuten-Takt zwischen Pasing und Deisenhofen möglich. 9000 Fahrgäste am Tag werden dann auf dieser Linie erwartet. … Nach dem vollständigen Ausbau der [Sendlinger Spange] könnten die Züge auch am Harras halten, somit ergäbe sich sogar ein zweiter Anschluss an die U-Bahn. Damit das klappt, sind zwischen Heimeranplatz und Harras zusätzliche Gleise notwendig, außerdem muss der neue Bahnsteig am Heimeranplatz ausgebaut werden.“ 

Geschehen ist allerdings bis heute – also innerhalb von 12 Jahren seit der Ankündigung im BA7 – leider nichts: Nun wird die Sendlinger Spange als eines der Projekte des 13-Punkte-Sofortprogramms genannt.  Allerdings werden in der Präsentation der Bayerischen Eisenbahngesellschaft weder Termine noch Kosten genannt. 

Einer Meldung vom 17.8.2012 der Aktion Münchner Fahrgäste ist zu entnehmen, dass mit einem Abschluss der Planfeststellung frühestens 2015 gerechnet werden kann. Viel zu lange für eine Ausbaumassnahme, welche gemäss Herrn Göttler, Leiter der Verkehrsabteilung im Bayerischen Wirtschaftsministerium gerade einmal 20 Mio Euro kostet

Können wir solchen Dampfplauderern noch Glauben schenken. Es grenzt schon an ein gewisses Mass an Unverschämtheit. bei einer Planungszeit von 3 Jahren von einem Sofortprogramm zu sprechen. Sofort heisst unverzüglich, ohne zeitliche Verzögerung. Es ist an der Zeit, dass sich die Pendler und die sie vertretenden Politiker den Schlendrian der Planer im Wirtschaftsministerium und bei der Bahn nicht mehr gefallen lassen. Schliesslich wurde am 6.Mai 2003 im Landtag ein Dringlichkeitsantrag der CSU-Fraktion einstimmig angenommen, dass die Staatsregierung innerhalb von zwei Monaten berichten müsse über „…in welchem Zeitraum und mit welchen Kosten der beschleunigte Ausbau der Sendlinger Spange (Pasing – Heimeranplatz – Harras) mit Umstiegsmöglichkeiten zur U 4, U 5 und U 6 möglich wäre.“ Offensichtlich haben die CSU-Fraktion und der Landtag insgesamt nach diesem Dringlichkeitsbeschluss die Sendlinger Spange aus den Augen verloren. Das stellt den Landtagsabgeordneten kein gutes Zeugnis aus.  Beschweren Sie sich über diesen Planungsschlendrian bei Wirtschaftsminister Martin Zeil und dem Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses im Landtag Erwin Huber. Die Baumassnahmen zur Sendlinger Spange müssen sofort starten, und nicht erst nach 2015! Erwin Huber war ausserdem von 2005-2007 Bayerisches Wirtschaftsminister und kann uns daher aus erster Hand berichten, weshalb die Sendlinger Spange plötzlich in der Schublade verschwand.  

Kommentieren ist momentan nicht möglich.