Schlüssel für S-Bahnausbau München liegt beim Bund!

Zwar fordert der Bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil und mit ihm Teile der Staatsregierung und der FDP nun die MVV-Landkreise zur Vorfinanzierung der 2. Stammstrecke auf. Wer jedoch die Presseerklärung von Staatsregierung und Bayerischem Wirtschaftsministerium genauer studiert, wird merken, dass selbst die Staatsregierung den Sündenbock für den Stillstand bei der Ertüchtigung des Schienen-Nahverkehrs in Berlin sieht (siehe auch folgender Link: Debakel S-Bahn München: Solange Deutschland so wenig für die Bahn ausgibt, wird sich nichts verbessern). Aus Parteiraison wird dies jedoch von der Staatsregierung nicht allzu offen angeprangert. Immerhin sind in Bayern und Berlin die gleichen Parteien am Ruder und man schont die Parteikollegen in Berlin. Damit wird vom eigenen Versagen erst mal abgelenkt. Naiv ist wer glaubt, die Politiker vertreten die Interessen ihrer Wähler und seien nur ihrem Gewissen verantwortlich.

Erstaunlich ist jedoch, dass auch die Oppositionsparteien (in Bayern und in Bund) nicht beim Bund protestieren. Auf mein Email an Bayerische Landespolitiker, dass die entsprechenden Bundestagsabgeordneten doch aktiv werden sollen, habe ich keine einzige Antwort erhalten. Die Erklärung dafür. Auch die Vorgänger der heutigen Bundesregierung haben bei Schienennahverkehrsprojekten kläglich versagt. 

Von 1998-2005 hatten wir zweimal rot-grüne Bundesregierungen unter Schröder. Von 2005-2009 die grosse Koalition unter Merkel und seit 2009 die schwarz-gelbe Koalition erneut unter Merkel. Die Gallerie der Bundesverkehrsminister enthüllt Folgendes: Zwischen 1998 und 2009 war das Bundesverkehrsministerium immer in SPD-Hand: Müntefering (1998-1999), Klimmt (1999-2000), Bodewig (2000-2002), Stolpe (2002-2005) und Tiefensee (2005-2009). 

 

Quelle: Ministergalerie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Weder in der rot-grünen Koalition noch in der rot-schwarzen sind die Schienennahverkehrsprojekte von diesen SPD-Herren genügend vorangetrieben worden. Der Grund dafür ist einfach. Die Mittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) sind viel zu niedrig. Gemäss einem Dokument des Deutschen Bundestages vom 14.11.2008 „Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 10. November 2008 eingegangenen Antworten der Bundesregierung„, Seite 47, gab es zwischen 2005 und 2008 48 Projekte des Schienennahverkehrs, aber in den Jahren 2005-2007 (unter Tiefensee) wurden nur 192 Mio Euro finanziert. Der 4-gleisige Ausbau der Strecke Pasing-Eichenau mit nur 10.5 km Länge verschlingt allein 340 Millionen Euro (siehe Link). Dies zeigt, wie extrem unterfinanziert die Investitionen für den Schienennahverkehr sind.  

Von den die S-Bahn München damals erwähnten acht Ausbaumassnahmen sind lediglich drei fertiggestellt: Flughafenanbindung Ismaning, Flughafenspange Neufahrn und 2. Ausbaustufe Freiham-Wessling. Die restlichen fünf Ausbaumassnahmen warten auf ihre Verwirklichung. Die damals aufgelisteten Ausbaumassnahmen Pasing-Buchenau und Riem-Markt Schwaben (im pdf mit Markt Schwagen falsch geschrieben) wurden 2009 gar aus der GVFG-Liste gestrichen auf Betreiben der Bayerischen Staatsregierung!

Hier die Liste von 2008 im Einzelnen.

Maßnahmen/Strecken mit GVFG-Finanzierung ab dem Jahr 2005
Kapitel 1218 Titel 891 01
S-Bahn Hamburg Flughafenanbindung Fuhlsbüttel
Nahschnellverkehr Hannover Wunstorf – Seelze – Hannover Hbf (-Lehrte)
S-Bahn Rhein-Ruhr Nachrüstung von Anlagen für Behinderte
S-Bahn Rhein-Ruhr Haltern – Bottrop – Essen – Wuppertal (S 9)
S-Bahn Köln, 4. Baustufe Köln – Horrem Düren
S-Bahn Köln, Ausbau der S 13
Nahschnellverkehr Rhein- Neckar, 2. Baustufe
S-Bahn Rhein-Main Offenbach – Oberroden – Dietzenbach (Rodgaustrecken)
S-Bahn Rhein-Main, 4gleisiger Ausbau Frankfurt (West) – Bad Vilbel – Friedberg
S-Bahn Rhein-Main, 2. Baustufe, 2. BA: Frankfurt(M)-Süd – Darmstadt und FFM-Mühlberg – Hanau
S-Bahn Rhein-Main, Ausbau Frankfurt-Flughafen – Frankfurt Stadion (Gateway Gardens)
S-Bahn Rhein-Main, Nordmainische S-Bahn, Frankfurt – Maintal – Hanau
Nahschnellverkehr Rhein-Neckar, Neustadt a.d.W. – Speyer – Ludwigshafen
Nahschnellverkehr Rhein-Neckar, 2. Baustufe
Ausbau der Infrastruktur im Elsenztal und Schwarzbachtal
Stadtbahn Heilbronn-Nord Neckarsulm – Bad Rappenau
Nahschnellverkehr Rhein-Neckar, Mannheim – Wiesloch-Waldorf
Nahschnellverkehr Rhein-Neckar, 2. Baustufe
S-Bahn Stuttgart, S 60, Böblingen
S-Bahn Stuttgart, Freiberg – Benningen, zweigleisiger Ausbau
Stuttgart 21, Nahverkehrsanteil
S-Bahn München, Park and Ride Anlagen, 3. Vertrag
S-Bahn München, Flughafenspange Neufahrn
S-Bahn München, S 7, Wolfratshausen – Geretsried
S-Bahn München, zweiter S-Bahn-Tunnel
S-Bahn München, Flughafenanbindung Ismaning
S-Bahn München, 2. Ausbaustufe Freiham – Wessling
S-Bahn München, Erdinger Ringschluss
S-Bahn München, S 4 West, Ausbau Pasing – Buchenau
S-Bahn München, viergleisiger Ausbau Berg am Laim – Markt Schwaben (Anteil S-Bahn)
S-Bahn Nürnberg, 1. Baustufe, Nürnberg – Lauf, Nürnberg – Roth, Nürnberg – Altdorf
S-Bahn Nürnberg, 2. Baustufe, Nürnberg Hbf – Erlangen – Forchheim
S-Bahn Nürnberg, Park and Ride Anlagen im VGN
S-Bahn Nürnberg, Nürnberg – Ansbach (-Dombühl)
S-Bahn Berlin, Anhalter Bahnhof – Wannsee – Stadtgrenze (Potsdam)
S-Bahn Berlin, Westend – Neukölln – Bezirksgrenze (-Treptower Park/Baumschulenweg)
S-Bahn Berlin, Lückenschluss Schönholz – Stadtgrenze (Henningsdorf)
S-Bahn Berlin, Bahnhof Ostkreuz
S-Bahn Berlin, S 21
S-Bahn Berlin, Bhf. Charlottenburg
S-Bahn Berlin, Nordbahnhof – Postsdamer Platz
S-Bahn Berlin, Nordring/Nordkreuz
S-Bahn Berlin, Zugbildungsanlage Tempelhof
S-Bahn Berlin, Baumschulenweg
S-Bahn Berlin, Lückenschluss Lichterfelde Süd – Teltow Stadt
S-Bahn Halle – Leipzig, Leipzig – Landesgrenze (-Halle)
S-Bahn Leipzig City-Tunnel
S-Bahn Halle – Leipzig, Halle – Landesgrenze (-Leipzig)

Finanzierungsvolumina:
2005: 52,3 Mio. €
2006: 62,5 Mio. €
2007: 77,6 Mio. €

Machen Sie nicht die Faust im Sack, sondern beschweren Sie sich bei Bundesverkehrsminister Ramsauer oder beim Bundestagsausschuss für Verkehr (siehe Link).

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