Erneute Verzögerung der Elektrifizierung München-Lindau

Offensichtlich sagt uns nur das Schweizer Verkehrsministerium die Wahrheit über die Verzögerung beim Ausbau der Strecke München-Memmingen-Lindau. Während uns die Deutsche Bahn immer noch glauben machen will, dass die Bauarbeiten bei Ende 2016 fertig sein werden, rechnen die Schweizer mit einer Verzögerung bis mindestens Juni 2017. 

Mit Interesse habe ich den neuesten HGV-Standbericht 2011 des Schweizer Bundesamts für Verkehr (so wird das Verkehrsministerium in der Schweiz genannt) gelesen: Hier der Link. Zu meinem grossen Bedauern musste ich dort lesen, dass der Fertigstellungstermin der Strecke Geltendorf-Lindau – nachdem er schon im Standbericht 2010 um ein Jahr nach hinten verschoben wurde – erneut um sechs Monate verschoben wurde. Wie der neueste Bericht festhält, besteht nun das Risiko, dass die schnelleren und häufigeren Züge Zürich-München erst auf dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 oder sogar noch später zum Einsatz kommen.

Wenn man die Gründe für die Verschiebung im Bericht liest, kann man ob der Planungsleistung der Deutschen Bahn meiner Meinung nach nur den Kopf schütteln. Noch im Oktober letzten Jahres machte uns nämlich eine von der Bahn verfasste Presseerklärung der Deutschen Bahn glauben, dass bezüglich Ausbau Geltendorf-Lindau alles nach Plan verliefe. Hier der Link. Auch auf einer angeblich 16.04.2012 aktualisierten Internetseite der Bahn wird am Fertigstellungstermin Ende 2016 festgehalten. Hier der Link.  

Wie dem Bericht des Schweizer Bundesamts für Verkehr zu entnehmen ist, macht eine bereits 2009 geänderte Richtlinie einen Austausch des Unterbaus erforderlich, wenn die Geschwindigkeit um mehr als 10% erhöht wird. Haben denn die deutschen Planer zwischen 2009 und 2011 geschlafen? Wenn nun – wie im Bericht erwähnt – erneut über das Rollmaterial und die Reisezeiten diskutiert wird, wird da nicht eine Büchse der Pandora geöffnet? Schliesslich müssen ja Infrastruktur und Fahrplan aufeinander abgestimmt sein, denn wenn sich die Fahrzeiten verändern, verändern sich auch die auszubauenden Kreuzungsbahnhöfe.

Hinzukommt, dass in Hinblick auf den Ausbau der Strecke München-Lindau-Zürich immer nur die Strecke Geltendorf-Lindau erwähnt wird. Es trifft zwar zu, dass die Strecke München-Geltendorf bereits seit 1969 elektrifiziert ist. Allerdings wird die zweigleisige Mischverkehrsstrecke von S-Bahnzügen, Regionalzügen und dem Fernverkehr gemeinsam benützt. Aufgrund der Geschwindigkeitsschere der verschiedenen Zugkategorien kommt es zu beträchtlichen gegenseitigen Behinderungen auf der 34 km langen Strecke zwischen München-Pasing und Geltendorf. Von den heute derzeit vier von Zürich nach München verkehrenden EC-Zügen brauchen drei für die Strecke Buchloe-München volle sieben Minuten länger als der schnellste, da sie hinter einer S-Bahn hinterher schleichen müssen. Mit einer Verdoppelung des Zugangebots Zürich-München wird die gegenseitige Behinderung noch grösser, insbesondere in den Hauptverkehrszeiten im Münchner S-Bahn-Verkehr. Und bekanntlich gibt es nach den neuen Regeln zum Netzzugang keinen Vorrang des Fernverkehrs vor dem Regional- und S-Bahn-Verkehr mehr. Man darf es doch nicht zulassen, dass die mühsamen erreichten Fahrzeitgewinne auf dem Streckenabschnitt Lindau-Geltendorf auf der Strecke Geltendorf-München wieder verloren gehen, weil die Fernverkehrszüge durch eine vorausfahrende S-Bahn ausgebremst werden. Zwar plant das Bayerische Wirtschaftsministerium einen viergleisigen Ausbau von Teilen dieser Strecke (München-Pasing bis Eichenau), allerdings steht die Finanzierung und der Baubeginn noch völlig in den Sternen. Hier der Link.

Während mir das Schweizer Bundesamt für Verkehr auf meine Anfrage sofort antwortete, hält es die Bürokratie der Deutschen Bahn nicht für notwendig, diese wohl unangenehme Frage überhaupt zu beantworten.  

Ich fordere Sie auf bei Lokalpolitikern, Bahn und Bundesverkehrsministerium Druck zu machen, damit Deutschland nicht im schlimmsten Falle sogar noch die 50 Mio Euro Vorfinanzierung der Schweiz verliert (wenn die Bauarbeiten nicht rechtzeitig abgeschlossen werden).

 

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