2. Stammstrecke an Fahrgastzahlen vorbei. Jetzt Hausaufgaben nachholen

MVV-Chef Alexander Freitag stellt in der SZ vom 20.4.2012  (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/zweite-stammstrecke-in-muenchen-einen-plan-b-gibt-es-nicht-1.1337107) zu Recht klar, dass ohne weitere Infrastrukturausbauten bei der S-Bahn diese den Fahrgastzahlen nicht mehr gewachsen ist. Freitag unterschlägt jedoch, dass das mit der Zweiten Stammstrecke vorgesehene Betriebskonzept die Probleme der am stärksten belasteten S-Bahn-Strecken gar nicht gemildert hätte. Lesen Sie weiter.

MVV-Chef Alexander Freitag stellt zu Recht klar, dass ohne weitere Infrastrukturausbauten bei der S-Bahn diese den Fahrgastzahlen nicht mehr gewachsen sein wird. Was MVV-Chef und die anderen Befürworter der Zweiten Stammstrecke jedoch unterschlagen ist die Tatsache, dass das mit der Zweiten Stammstrecke vorgesehene Betriebskonzept die Probleme der am stärksten belasteten S-Bahn-Strecken gar nicht gemildert hätte, denn der hohe Finanzbedarf der zweiten Stammstrecke führte dazu, dass die bisher immer als dringend hingestellten Ausbaumassnahmen auf den Aussenstrecken wie der viergleisige Ausbau Pasing-Buchenau und Riem-Markt Schwaben dem geplanten Stammstreckenausbau zum Opfer fielen. Damit würden auf den sehr stark belasteten Linien nach Erding und Geltendorf nach dem Ausbau der 2. Stammstrecke immer noch weniger Züge verkehren als bereits heute auf den bevorzugten 10-Minuten-Takt-Linien. Dagegen wäre auf den 10-Minuten-Linien das Angebot sogar noch kräftiger ausgebaut worden (siehe Grafiken). Über Jahre hinweg haben die S-Bahn-Planer ihre Hausaufgaben nicht gemacht, so dass auf jenen Linien mit dem höchsten Verkehrsaufkommen kein 10-Minuten-Takt möglich ist. DB Regio und Bayerisches Wirtschaftsministerium haben nicht einmal für genug Triebwagen gesorgt, und so ist das Platzangebot auf den 20-Minuten-Takt-Linien heute sogar schlechter als 1999!

Die Aussage von Herrn Freitag, es gäbe keinen Plan B, ist schlichtweg falsch. Der Plan B besteht darin, die früher immer als dringlich eingestuften Ausbaumassnahmen auf den Aussenstrecken SOFORT in Angriff nehmen. Dies sind zum Beispiel:

1. Die Ausbaumassnahmen Pasing-Eichenau, für welche kürzlich das schon lange versprochene Nutzen-Kosten-Gutachten abgeschlossen wurde.

2. Die Sendlinger Spange, d.h. die Strecke über Pasing-Heimeranplatz-Harras nach Solln, welches sich bereits in der Planfeststellung befindet.

3. Der Ausbau Riem-Markt Schwaben, welcher noch im Februar letzten Jahres auf der Homepage des MVVs erwähnt war, und danach gestrichen wurde.

4. Der damit zusammenhängende Erdinger Ringschluss zum Flughafen.

5. Die Express-S-Bahn über Ismaning zum Flughafen.

6. Endlich dafür sorgen, dass genug Triebfahrzeuge zur Verfügung stehen, damit auf jenen Linien, auf denen kein 10-Minuten-Takt angeboten wird, in den Hauptverkehrszeiten ausschliesslich Langzüge verkehren können. Laden Sie den Musterbrief an Verkehrsminister Zeil herunter, in dem genau diese Sofortmassnahmen gefordert werden. 

7. Die Bahnsteige der S1 Richtung Kreuzstrasse verlängern, damit auf dieser Linie zumindest ab Aying Langzüge eingesetzt werden können.

Die Projekte im Osten sind auf die Kapazität der 2. Stammstrecke NICHT angewiesen, denn bei fünf Aussenästen haben sechs S-Bahnen pro Linie und Stunde in der bestehenden Stammstrecke Platz. Das Kapazitätsproblem im Westen kann zunächst durch den Ausbau der Sendlinger Spange gelöst werden, so dass einige 10-Minuten-Takt-Verstärker-S-Bahnen aus Germering, Buchenau oder Maisach über die Sendlinger Spange abgleitet werden.

Es ist klar, langfristig braucht es eine zweite S-Bahn-Strecke durch München (Südring oder 2. Stammstrecke). Wegen des Geldmangels und der stärkeren Dringlichkeit der Ausbaumassnahmen auf der Aussenstrecken muss diese jedoch zunächst zurückgestellt werden.

Fehlplanung: Auf vier der fünf am stärksten ausgelasteten S-Bahnstrecken gibt es heute keinen 10-Mintuen-Takt. Diese Linien bleiben auch nach Eröffnung der 2. Stammstrecke benachteiligt

Fahrgastzahlen ab Stadtgrenze München (Balken rot: 20 Minuten-Takt, blau 10-Minutentakt)
 

2. Stammstrecke: Während auf den privilegierten Linien deutlich mehr Züge fahren werden, werden nach Geltendorf und Erding immer noch weniger Züge fahren als nach Mammendorf schon heute. Dies zeigt, wie dringend die Ausbaumassnahmen auf den Aussenstrecken sind
 

Kommentieren ist momentan nicht möglich.

Social Media:
Finde uns auf Twitter

unsere Facebookseite

unsere Youtube-Videosammlung
Achiv: