Bahnübergang der Südostbayernbahn tagelang außer Betrieb: Pkw-Notbremsung vor Güterzug – Bundespolizei ermittelt!

Wie eine Lokalausgabe der Passauer Neue Presse (PNP) berichtete, war eine Bahn-Schranke auf der Bahnlinie Mühldorf-Freilassing/Salzburg am Bahnübergang Götzing/Fridolfing über mehrere Tage außer Betrieb. Zudem habe es keinerlei Absicherungen gegeben, wie die Südostbayerische Rundschau in der Ausgabe vom 13. August 2021 berichtete.
www.pnp.de/lokales/landkreis-traunstein/Notbremsung-vor-Gueterzug-4073468.html
In einer E-Mail an die Lokal-Redaktion wandten sich besorgte Anwohner des Bahnüberganges an die Medien. Der Inhalt „mutete zunächst fast unglaublich an“, schrieb die Lokalzeitung der PNP. „Seit Tagen sind die Schranken an der Bahnlinie Salzburg – Freilassing – Landshut nicht mehr in Betrieb“, so eine Leserin, die direkt daneben wohne.
Die Lokal-Journalisten fuhren daraufhin zum Ort des Geschehens und sahen sich am Bahnübergang in Götzing die Durchfahrt der „Personentriebwagen der Bundesbahn im 20-Minuten-Takt“ an. Hinzu kämen noch einige Güterzüge (das südostoberbayerische Chemiedreieck fährt hier die Ware gen Tauernbahn), so das Lokalblatt weiter.

Der Bahnübergang hätte seit „5. August über das Wochenende bis zum späten Dienstagnachmittag keine funktionierenden Schranken mehr“, nur das bekannte „Andreaskreuz“ würde als Hinweis auf den Bahnübergang die Autofahrer warnen.
Die Lokalzeitung fragte deshalb bei den zuständigen Behörden an. Beispielsweise bei der „Sicherheitsbehörde für die Eisenbahnen in Deutschland“ in München, „warum der Bahnübergang nicht mehr mit Schranken gesichert werden könne.“ Aus der Arnulfstraße südlich der Zufahrtsgleise des Hauptbahnhofs hieß es allerdings „wir können Ihre Fragen nicht beantworten, richten Sie sich bitte an die Pressestelle der Eisenbahnbundesamtes (EBA), dem Eisenbahn-Bundesamt in Bonn,“ die wären organisatorisch zuständig. Für den Bahnhof in Götzing/Fridolfing und die dortige Infrastruktur sei die in Mühldorf ansässige Südostbayernbahn (SOB) zuständig, zitierte die Südostbayerische Rundschau (SR) das Schreiben der Behörden.
Telefonische oder auch Mail-Anfragen bei der Pressestelle des EBA in Bonn wurden, so die SR weiter, „freundlich beantwortet: ‚Wir recherchieren und Sie erhalten eine schriftliche Antwort.’“ Die Antwort aus der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn empfahl den Lokal-Journalisten: Für „diesen Bahnabschnitt“ wäre die „SOB DB Regio“ in Mühldorf“ zuständig.
Außerdem gab es „Hinweise auf das „AEG“ (Allgemeines Eisenbahn Gesetz), dass das EBA zuständig für alle sicherheitsrelevanten Fragen und sicherheitstechnischen Belange sei, um einen gefährdungsfreien Bahnverkehr zu ermöglichen.“ Der Südostbayernbahn in Mühldorf war demnach bekannt „dass „ein Lkw eine Schranke beschädigt“ habe und in schönstem Beamtendeutsch hieß es weiter „‚wurde verfügt, dass alle durchfahrenden Züge vor dem Bahnübergang halten müssen und ein Pfeifsignal abgeben.’“
Die Lokalzeitung berichtete weiter, dass sich Journalisten „am Montagnachmittag gegen 16 Uhr an dem Bahnübergang“ vor Ort getroffen hätten, mit diversen Anwohnern. „Wie zu sehen war, stoppten die Personentriebwagen vor dem Bahnübergang und signalisierten ihr Kommen mit dem angekündigten Pfeifton als Warnung für den fließenden Autoverkehr.“
Allerdings schilderten die Anwohner auch andere Vorkomnisse:
Eine Augenzeugin wurde am 5. August durch „das schrille Pfeifen eines Personentriebwagens aufmerksam.“ Sie „entdeckte, dass am Bahnübergang gearbeitet“ werde. Die Passantin fragte „die Bahnarbeiter, warum dort gearbeitet wird, und warum die Züge Pfeifsignale abgeben.“ schrieb das Blatt weiter. Ein Mitarbeiter „’der Deutschen Bundesbahn’erklärte mir, dass die Schranke ‚defekt sei und abgebaut werde.’“
Auf weitere Nachfragen der Anwohner, ob ein Auto gegen die Schranke gefahren wäre oder ob es einen Lkw-Unfall gab, wurde dies, so die Zeitung weiter, von dem Bahn-Mitarbeiter verneint.
Eine andere Anwohnerin konnte, laut dem Artikel, das Vorgehen der Südostbayernbahn ebenso wenig fassen: Dieser Bahnübergang läge an einer viel befahrenen Landstraße, in diesen sechs Tagen ohne sichtbare Hinweise, ohne Absicherung, wäre die Schranke stets geöffnet gewesen.
Laut der Südostbayerischen Rundschau habe sich ein weiterer Autofahrer aus Freilassing gemeldet, der auf mit seinem Auto in einen Güterzug gefahren wäre, der ungebremst‎ den Bahnübergang durchfuhr. Der Pkw-Fahrer konnte nur „durch eine rasche Notbremsung“ seinen Wagen vor einem Zusammenprall mit dem Güterzug bewahren.
+++ Polizei wurde in Kenntnis gesetzt +++
Der Pkw-Fahrer habe die „Polizei in Freilassing angerufen, ‚die mich an die Polizei Laufen vermittelte’“. „Auf Nachfrage der Redaktion erläuterte die Laufener Polizei,“ hieß es weiter, „’dass es keinen Hinweis auf einen Lkw-Unfall am Bahnübergang Götzing gegeben habe.’“
Nach „Bekanntwerden der nicht funktionierenden Schranke – dies erfolgte bereits am 5. August durch einen Passanten“ – wären laut Polizei mehrmals „am Tag Streifenwagen an den ungesicherten Bahnübergang“ gefahren.
„Die Bundespolizei wurde von dem Sachverhalt in Kenntnis gesetzt. Diese werde ermitteln“ heißt es in der Lokalzeitung abschließend.

Fahrgäste der Südostbayernbahn, die in diesem Zeitraum zufällig in einem der betroffen Züge zwischen Mühldorf und Freilassing/Salzburg saßen, lasen die Missstände am besagten Bahnübergang allerdings schon vor der Abfahrt der Lokalbahnen in der Bahn-App. Die Bahn schrieb von „Verspätungen“ auf dieser Linie, wegen einer „Stellwerksstörung“. Bereits in Garching an der Alz verspäteten sich die Züge aus Freilassing um bis zu 20 Minuten, der Hälfte der eigentlichen planmäßigen Fahrzeit. Die Südostbayernbahn ließ zudem bei einigen, stark verspäteten Zügen, die Zug-Kreuzungen vom Bahnhof Laufen an den Bahnhof Fridolfing verlegen, kurz hinter der defekten Schranke. Einige Züge der Südostbayernbahn endeten bereits am Bahnhof Freilassing und fuhren erst gar nicht bis Salzburg.
Eine Anfrage zu dem Presseartikel und dessen Inhalt wurde bisher weder von der Südostbayernbahn in Mühldorf, noch vom Büro des Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn in München, Klaus-Dieter Josel beantwortet.

Die Schranken am besagten Bahnhof in Götzing/Fridolfing werden übrigens immer noch von Hand „gekurbelt“. Vor Ort existiert weder ein elektronisches Stellwerk, noch eine elektronische Schrankenanlage, samt entsprechenden, elektronischen Sicherungssystemen. Wenn der Bahnsvorsteher morgens verschläft, müssen die Züge hier immer über den offenen Bahnübergang fahren, samt Warnsignalen und das seit Jahrzehnten.

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