Mietpreisbremse, sterbende Regionen und irrwitzige Wege in neuen Plänen zur 2. S Stammstrecke

Was für eine interessante Woche war das doch, Ende Mai 2015. Da wurde einerseits im Bayerischen Landtag über die Mietpreisbremse diskutiert und darum, warum die Bayerische Staatsregierung bis heute noch nichts davon umgesetzt hat. So der Vorwurf der Opposition im Maximilianeum. Für die CSU trat dann ein Mann ans Rednerpult, den alle Verkehrsinteressierten bestens kennen: Eberhard Rotter, aus dem Allgäu.

Rotter schwadronierte in unnachahmlicher Rentner- Art von globalen Problemen in Bayern und, dass die Mietpreisbremse ja längst nicht alle Landstriche gleich betreffe. Nun muss erwähnt werden, dass eben dieser Rotter aus dem Allgäu seit zig Jahren als CSU- „Verkehrsexperte“ gilt, wenn es um Schienenausbauten in Bayern geht. Speziell im Großraum München.

In seiner etwas verwirrenden Art brachte Rotter aber das Problem ziemlich gut auf den Punkt: All jene Landstriche, die schienenmäßig weitab der Ballungsräume ein tristes Dasein führen, hätten bezüglich steigenden Mietpreisen kein Problem. Heißt im Umkehrschluss: Wo nichts vorangeht, altert die Bevölkerung und sterben Orte aus. Komisch, dass junge Leute da nicht leben und eine Familie gründen wollen.

Übersetzt auf den Großraum München kam diese Rotters Aussage aber doppelt doppelzüngig an: Überall wo er in seiner Person als CSU- Verkehrsmensch seit 15 oder 20 Jahren zusieht, wie nichts passiert, häufen sich Probleme. Vernachlässigte Landstriche, ohne qualifizierte Jobs, veröden. Die anderen Landstriche boomen, Gegenden, in denen Familie und Beruf vereinbar sind: Bestens ausgebaute Kita- Plätze samt einem schnellen S- Bahn- Anschluss nach München. Mit eigenen, unabhängig vom Regional- oder Fernverkehr bestehenden S- Bahn- Gleisen. Denn 30 oder 35 Minuten ins Büro brauchen selbst Münchner Kollegen mit dem Pkw. Wenn sie zuvor noch die Kids in der Kita, Kindergarten oder Schule abliefern. Das ist dann aber eine Schmerzgrenze, die in Zeiten von Kita- und Lokführerstreik schnell erreicht ist, wenn die S- Bahn nur im Stundentakt verkehrt.

Beim Thema S- Bahn München angekommen, wird die Argumentation der Politiker und der Bahn für die 2. S- Bahn- Stammstrecke immer abstruser. In beiden Bereichen, herrscht wohl spät römische Dekadenz: Am Münchner Hauptbahnhof sollten ursprünglich von allen Bahnsteig- Ebenen die Menschen zur 2. S- Bahn- Stammstrecke direkten Zugang erhalten: Oben in der Haupthalle genauso wie von den Bahnsteigen der U1/2 und der U4/5. Doch bei der U4 und U5, das weiß jeder der einmal mit der U- Bahn zur Wiesn fuhr, hätte das eng werden können… Die Planungen der Bahn hier noch einen zusätzlichen Zugang zum noch tiefer gelegenen 2. S- Bahn- Stammtunnel zu bauen, war aus Sicht der MVG- Experten der Stadt München unmöglich.

Die Kunden- Ströme zu entzerren, mit eigenen Ein- und Ausstiegs- Bahnsteigen oder Erweiterungen, wie am Marienplatz geschehen, war ebenfalls unmöglich (oder viel zu teuer). Zuerst berücksichtigte die Bahn diese Beschwerden und verkleinerte die Rolltreppen. Anstatt zwei Personen nebeneinander sollte nur noch eine Person von und zur 2. S- Bahn- Stammstrecke Platz finden, damit wäre das Gedränge am kleinen und engen Bahnsteig der U4/5 am Hauptbahnhof weniger geworden.

Nun sehen neue Planungen, laut Medienberichten, aber gar keine direkten Zugänge mehr vor. Wenn künftig wer mit der U4 oder U5 am Hauptbahnhof ankommt, soll er erst zum Hauptbahnhof, dann in die Schalterhalle, von da wieder runter zur neuen, 2. S- Bahn- Stammstrecke, im Tiefeltunnel unter München. Dass Fahrgäste nicht länger als nötig Zeit in den Verkehrsmitteln verbringen wollen oder auf Umstiegs Wegen, scheint den Planern von Bahn und Politik fern. Das erinnert wieder an die spät- römische Dekadenz. Bliebe als Ergebnis, dass künftig weitaus weniger Menschen die 2. S- Bahn- Stammstrecke nutzen werden, da sie schneller auf der alten S- Bahn- Stammstrecke sind, um dort die Züge zu nutzen.

All die Argumentationen von Bahn und Politik erinnern damit stark an das Projekt Stuttgart 21 bei unseren schwäbischen Nachbarn. Dort, so hieß es auf Kritik an S21 politisch auch in Bayern, würde mit dem Stuttgarter Flughafen ein international bedeutender Airport an das europäische Fernbahnnetz angeschlossen werden. Dass der Stuttgarter Flughafen gerade einmal halb so viele Fluggäste zählt, wie der in München, haben sie in Bayern gekonnt verschwiegen. Der Flughafen im Erdinger Moos, benannt nach der CSU- Größe Franz- Josef- Strauß, wird selbst mit der 2. S- Bahn- Stammstrecke als Tiefentunnel unter München und mitsamt den unmöglichen Umstiegswegen am Hauptbahnhof nach wie vor nicht von europäischen Fernbahnen angefahren. Ganz im Gegenteil: Für eine kürzere Fahrzeit mit der S- Bahn ab der Münchner City muss noch auf den Außenästen gebaut werden, auf der S- Bahn- Linie 8 zwischen Daglfing und Johanniskirchen zum Beispiel. Doch das , so erzählen genau die, die für Suttgart 21 votierten, macht erst Sinn mit dem 2. Tunnel unter München für die S- Bahn, der am Hauptbahnhof nun Wege verursacht, die ein normal – sterblicher nie täglich in Kauf nehmen wird.

Da bleibt am Ende nur der Eindruck, dass sich alle Verkehrspolitiker und Mietexperten so lange selbst in die Tasche lügen, bis der selbst verursachte Status quo nicht mehr länger verteidigt werden kann , weil die Menschen weder den Versprechen noch den scheinbaren Verbesserungen mehr Glauben schenken. Irgendwann kapiert selbst der naivste Wähler, dass Leute wie der CSU- Mensch Eberhard Rotter seit zig Jahren nur schwadronieren und eben nichts bewegen. Die römisch dekadenten Nachfolger stehen dann schon parat. Sie werden ein Erbe übernehmen, das all den Wahnsinns- Versprechen das Ende bereitet. Manchmal eben ganzen Landstrichen und Regionen…

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