Kommentar: U- Bahn überlastet? München ist weit entfernt von der Champions- League!

rikscha-hbfErinnern wir uns an das Jahr 2008. Damals wurde im Landtag eine wegweisende Entscheidung gefällt: Der Bau der zweiten S- Bahn- Stammstrecke in 40 Meter Tiefe unter der Münchner Innenstadt und der Ausbau der S- Bahn zum Flughafen auf den Gleisen der Linie 8, von Daglfing über Johanneskirchen zum Moos Airport bei Erding. Konzept „Bahnknoten München“ tauften Politiker und Planer das. Doch an diesem „Konzept“ zweifeln viele bis heute.

Damals gab es einen weiteren Vorschlag des Planungsbüros Vieregg & Rössler (http://www.vr-transport.de/vr/nordtunnel.html ), für den Bau einer Flughafen- Bahn.

Einen neuen Tunnel, vom Hauptbahnhof über die Pinakothek, die Münchner Freiheit,  zum Fußball- Stadion in Fröttmaning und weiter zum Flughafen. Immerhin ist der Moos- Airport hinter Frankfurt die Nummer zwei der Flughäfen in Deutschland. Der neue Flughafen in Berlin verfügt über einen ICE- Bahnhof, schon heute, obwohl dort noch nicht einmal Flieger starten und landen können.

Mit diesem „Nordtunnel“ zum Flughafen hätte die Allianz Arena im Norden einen zweiten Bahnhof erhalten, für S- Bahnen und Regionalzüge, vielleicht sogar den ICE- Verkehr.

Doch daraus wurde nichts, Bayerns Verkehrspolitiker und sonstige Strategen beharrten auf den Plänen in der Innenstadt und lehnten sämtliche Alternativ- Vorschläge via Gutachter ab.

Umgesetzt wurde von den tollen Plänen im Landtag bis heute nichts.

Nun stellt sich heraus, dass die Erweiterung des Fußball- Stadions an europäische Spitzen- Standards mit eben mehr als nur 66.000 Zuschauer an der mangelnden Verkehrsanbindung scheitern wird.

Mit Argumenten, denen man schon vor Jahren entgegenwirken hätte können: Zum Beispiel mit Bahnsteigtüren (http://www.georg-kronawitter.de/1952/a-z/bahnsteigtueren.html ): Die verhindern gefährliches Gedränge am Bahnsteig, keiner könnte in die Gleise fallen. Mit solchen Bahnsteigtüren könnte man die Züge schneller abfertigen. Bahnsteigtüren, die es in Paris längst gibt.

Doch hätten die Politiker solche Maßnahmen umgesetzt, würde sich herausstellen: Die zweite Stammstrecke als Tiefentunnel unter München bräuchte es eventuell gar nicht.

Techniker sagen, man könnte sogar am Bahnsteig automatisch anzeigen lassen, wo in einem Zug noch Plätze frei wären. Man müsste nur das Gewicht messen, an den neuralgischen Punkten bei den Zügen und könnte die freien Kapazitäten auf den Anzeigentafeln der Bahnsteige anzeigen lassen, bevor der jeweilige Zug eintrifft.

Kosten würde das keine Milliarden aber es könnte die Milliarden- Baupläne als Zuckerl für die Bauindustrie bei einer U9 in den Innenstadt, parallel zur U3 und U6 oder eben den Tiefentunnel, als zweite S- Bahn- Stammstrecke, weniger wichtig erscheinen lassen.

In Berlin gibt es übrigens am Olympiastadion zwei Stationen: Auf der einen Seite die U- Bahn und an anderer Stelle die S- Bahn, mit acht Bahnsteigen. Dort warten die Sonderzüge nach dem Spiel auf die Gäste der Veranstaltungen im Stadion und bringen sie in alle Himmelsrichtungen um die Bundeshauptstadt.

In München werden derlei Pläne seit langem torpediert. Alles will und muss in die Innenstadt. Die verkehrstechnische Konzeption der Allianz- Arena begann mit den Fehlern, die am Ende im Olympiapark gemacht wurden: Dort stellte man, gerade als die Zuschauerzahlen stiegen, den S- Bahn- Verkehr ein und ließ den Bahnhof vergammeln.

Bei der Allianz Arena in Fröttmaning zeigt sich: Eine Bahn- Station reicht eben nicht aus, für ein Stadion, das auf Dauer mit den großen Arenen, in London, Barcelona, Madrid, Mailand oder Berlin konkurrieren soll.

Für München kein gutes Zeichen, wenn es um die Austragung von Spielen der nächsten Fußball- Europameisterschaft geht.

Die ÖPNV- Nutzer sind es seit geraumer Zeit nicht anders gewohnt: Bahn und Stadt schildern zur Wiesn- Zeit den Fußweg vom Hauptbahnhof zur Wiesn aus, um die U- Bahn zu entlasten. Die Deutsche Bahn richtete einen Rikscha- Bahnhof ein, während der S- Bahnhof Hackerbrücke total überlastet ist.

Der neue Bahnhof Poccistraße, der Entlastung zur Wiesn- Zeit bringen könnte, soll gar nicht erst so gebaut werden, dass S- Bahnen halten könnten. Der Ausbau der U- Bahn- Linie 5 nach Pasing, um die Fahrgäste in zwei Richtungen (nicht nur zum Hauptbahnhof) abtransportieren zu können, steht in den Sternen. Denn hier müsste man den Wiesn- Bahnhof zusätzlich ausbauen.

München ist verkehrstechnisch weit entfernt von der Champions- League oder einer europäischen Großstadt- Metropole. Dumm nur, dass das die Verkehrspolitiker weder bei der Stadt und schon gar nicht im Landtag wahrhaben wollen. Bayerisches Kirchturmdenken setzt sich eben nach wie vor durch.

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