Fernbusse: Fakten jenseits von Alarmismus und Hype

Unberechtigter Alarmismus seitens der Deutschen Bahn oder überzeichnete Jubelmeldung der Fernbusbetreiber? Wahrscheinlich trifft beides zu, betrachtet man die nackten Fakten. Die DB erwirtschaftet im Fernverkehr einen jährlichen Umsatz von 4,1 Milliarden – 40 Millionen davon sollen an die Konkurrenz Fernbusunternehmen[1] abgewandert sein, was nicht einmal einen Prozent des Bereichsumsatzes entspricht. Optimistische Schätzungen geben der Fernbusbranche ein Umsatzziel von 600 Millionen Euro, etwas konservativere Studien prognostizieren 300 Millionen Euro.[2] Allerdings kommt nur ein Teil der Fernbusnutzer von der Schiene und dieser Anteil wird wohl nicht mitwachsen. Nach aktuellen Umfragen kamen nur 44 Prozent der Fernbusnutzer von der Schiene, fast genau so viele sind Wechsler vom privaten PKW (38 Prozent); lediglich 10 Prozent sind echte Neukunden.[3][4] So gesehen sind Fernbusse nur begrenzt eine Konkurrenz zur Schiene.

Insider-Informationen besagen, dass alle Fernbusbetreiber rote Zahlen schreiben. Wie der zu erwartende Verdrängungswettbewerb geführt werden wird, ist offen: den genügsamen Fahrgäste nutzen die Fernbusse vor allem wegen des geringen Fahrpreises wegen.[5] Spannend ist, was die Deutsche Bahn aus der neuen Konkurrenzsituation macht. Reagiert sie konventionell und baut die eigenen Fernbusangebote aus oder eher kreativ? Denkbar wären preisgünstige Fernangebote, beispielsweise ein InterRegios mit abgespeckter Ausstattung und weniger Service. Vielleicht ergibt sich so ein ganz neuer Markt für die Schiene.

[1] Fernbusunternehmen (Fernbus24.de)
[2] Fernbusse luchsen Bahn rund 40 Millionen Euro Umsatz ab (Spiegel.de)
[3] Fernbusse: Vom Gleis auf die Straße (SHZ.de)
[4] Vor allem Bahnkunden steigen auf Fernbusse um (Handelsblatt.com)
[5] Bahn verliert Kunden an Fernbusse (Focus.de)

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